Lebenserfahrungen – Was wäre wenn…?

Man sagt, aus Erfahrungen lernt man. Daran ist auch nichts auszusetzen. Ich habe mir als kleines Kind eine ganze Kanne heißen Tee über meinen Körper gegossen, mir dabei sehr weh getan, aber seitdem die Teekanne nicht mehr angefasst. Schmerzhafte Erfahrung, die eigentlich jedem Kind erspart bleiben sollten, aber auch wiederum eine sehr wichtige. Wenn Mama gesagt hat: „Nein Wencke, dass darfst du nicht. Das ist gefährlich!“, dann hat man als Kind doch nicht gesagt: „Alles klar Mutti! Du hast Recht! Mach ich nicht.“ Nein, nein. Man hat es dann trotzdem gemacht, wenn sie nicht hingeguckt hat oder wenn sie auch nur 1 Sekunde abgelenkt war. Einfach nur um eigentlich zu sagen „Ätschibätsch, das ist doch alles gar nicht so schlimm.“

Bisher, in meinem ganzen Leben und ich bin 21 Jahre alt, habe ich noch nie so etwas passendes erlebt wie die Meinung meiner Mama. Klar, sie ist ja auch viel älter als ich und hatte schon die ganzen doofen und unangenehmen Erfahrungen, vor denen sie einen beschützen will. Sie will nicht, dass ihren Kindern genau das passiert, was ihr auch schon widerfahren ist und was sie vielleicht auch sehr verletzt hat. Das Problem dabei ist nur, dass man (leider) nicht immer im Schutz der Mutter stehen kann. Manche Erfahrungen muss man selber erleben, spüren und daraus lernen können. Erfahrungen, die man sich selbst lieber ersparen würde und wo man gerne von Mama das „Nein!“ bekommen hätte. Nein, zu so vielen Dingen im Leben. Aber man muss Erfahrungen machen. Erfahrungen, die natürlich nicht nur negativ und schlecht sein müssen.

Für mich war die bisher beste und schönste Erfahrung in meinem Leben, von Zuhause auszuziehen, all meine Sachen zu nehmen, einiges hinter mir lassen und neu in Hamburg anzufangen. Diese Erfahrung und diese Entscheidung würde ich nie bereuen, nie rückgängig machen. Das man sich um alles alleine kümmern musste, Verträge abschließen mit gerade einmal 18 Jahren, alleine Dinge kaufen, womit man sonst nie etwas zu tun hatte, alles Erfahrungen, die mich jedes Mal einen riesigen Schritt weiter nach vorne gebracht haben. Auch Dinge, die nicht direkt geklappt haben. Daraus habe ich auch wieder gelernt, das Beste draus gemacht und etwas neues ausprobiert. Wir haben doch alle noch so viel vor uns, so viel was wir vielleicht momentan nicht machen, weil wir uns nicht trauen.

Nur das Vertraute ist toll und schön? Aber ist das wirklich so? Nur weil alles eine Zeit lang so ist, ist das dass Beste? Was ist mit den anderen Möglichkeiten? Sachen, die man vielleicht nicht wahrgenommen hat, weil man keinen verletzten wollte. Weil man dachte, es ist alles gut. Und ist alles gut, wenn man denkt etwas zu verpassen? Das man später seinen Kindern erzählt, wie schön alles hätte werden können, wenn? Das man die Kinder beneidet, weil sie die Erfahrungen machen, die man auch immer machen wollte? Ist es in Ordnung auch irgendwann einmal im Leben egoistisch zu sein und nur an sich zu denken? Ich meine, dass ist ja in Deutschland nicht selten, dass die Menschen extrem egoistisch sind. Wenn einem Sachen runterfallen einfach dran vorbeizulaufen anstatt zu helfen. Älteren Damen keinen Platz in der Bahn anzubieten oder aber einfach nicht zu fragen, ob man beim Koffer tragen helfen kann?

Ich bin von Sternzeichen Waage. Eigentlich glaube ich gar nicht an Sternzeichen. Ich lese mir sie zwar durch, falls ich mal eine Zeitschrift in der Hand habe, aber das ich daran glaube? Nö. In vielen Magazinen werden sie so geschrieben, dass immer etwas passt. Nie geht es einem sehr gut. Und wenn sie dann schreiben: Ja momentan ist alles etwas schwierig. Aber ihr Glückstag ist der kommende Donnerstag. Natürlich passt das auf fast 99% der Menschen. Von Natur, auch für mein Sternzeichen typisch, bin ich ein sehr ausgeglichener Mensch. Ich streite mich klar, dazu bin ich auch einfach zu sehr Frau, aber suche genauso schnell wieder die Harmonie. Deswegen ist es auch sehr typisch für mich, Dinge die so sind einfach auch genauso sein zu lassen. Denn es ist ja alles gut so. Wenn man jetzt etwas ändert, kann die ganze heile Welt zerstört werden. Alles, was war und alles, was man vielleicht auch schon geplant hatte. Die ganze Zukunft würde sich ändern. Aber warum eigentlich nicht? Was ist so schlimm daran, einfach mal sein komplettes Leben auf den Kopf zu stellen und neue Erfahrungen zu sammeln? Warum nicht mal spontan sein, anders sein als zuvor.

Ich fand es bis vor kurzem noch so unreal. Ich war mit meinem Leben zufrieden, alles war richtig. Alles war in Ordnung. Alles sollte so sein. Tzja und dann wären wir auch schon wieder beim Thema Schicksal (ganzer Beitrag hier). Mittlerweile habe ich erkannt, dass alles (anscheinend) so sein musste. Das es mehr geben soll, als das Leben, dass man gelebt hat. Ob es am Ende wirklich so kommen wird und man Erfahrungen macht, die einen nach vorne bringen und nicht wieder zurück werfen, kann an diesem Punkt keiner sagen. Sowieso kann ich mir das wahrscheinlich alles nur selbst beantworten, wenn etwas Zeit vergangen ist. Zeit, die man braucht um neue Dinge zu erleben, Erfahrungen zu machen, die wahrscheinlich auch wieder sehr weh tun, aber auch welche, die mein bisheriges Leben bereichern werden.

Das Beste wird sein, und das ist etwas was ich immer kann, das Positive zu sehen und sich auf das zu freuen, was jetzt kommt. Denn wie heißt es so schön: Everything happens for a reason!

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